Nutzerzentrierte Entwicklung im Konzern mit Scrum und UX (Level: Beginner)

Conference Day - 20. Februar
 
10:00
10:45
 
Agile
 
Raum Ken Schwaber

Agile ist Mainstream – heutzutage haben viele Unternehmen Erfahrungen mit Agilität gemacht (z.B. durch die Einführung von Scrum) und sind dabei, ihre Organisation zu transformieren. Die Entwicklungs-Teams liefern dabei ihre Produkte in kurzen Zyklen an die Kunden und können dadurch schnell auf sich ändernde Anforderungen des Marktes reagieren. In vielen Branchen und besonders in Endkunden-Märkten sind dabei nicht mehr allein technische Funktionalitätsvielfalt und ingenieursmäßige Exzellenz für den Erfolg eines Produkts relevant. Entscheidend ist, ob ein Produkt ein grundlegendes Problem des Nutzers lösen und sich nahtlos in seinen Alltag integrieren kann.

User Experience (UX) Design gewinnt deshalb immer mehr Bedeutung in der modernen Produkt-Entwicklung. Steve Cannon, CEO von Mercedes Benz USA geht sogar noch weiter und sagt: „Customer Experience ist das neue Marketing“. UX Design beschäftigt sich damit, wie man Produkte und Dienstleistungen für Nutzer/Kunden entwickeln kann, die einen klaren Mehrwert bieten und Bedürfnisse der Nutzer berücksichtigen. Grundlegendes Prinzip dabei ist, mit Hilfe einfacher Prototypen des Produkts früh zu lernen, welche Ideen für den Kunden funktionieren, und sie dann erst (z.B. als Softwareprodukt) weiterzuentwickeln.

Bei der Integration der UX-Praktiken und -Prinzipien in ihrer Organisation stehen die Unternehmen jedoch immer noch vor großen Herausforderungen. Eine aktuelle Studie von McKinsey zeigt, dass 40 % der Unternehmen während der Entwicklung überhaupt nicht mit Nutzern sprechen, 50 % können keine objektive Bewertung von Design-Entwürfen umsetzen. Und auch bei den Unternehmen, die schon UX Design praktizieren, gibt es noch zahlreiche Herausforderungen:

- Kontinuierliches Lernen: Häufig werden UX-Aktivitäten zu Beginn einer Initiative durchgeführt. Dann geht man schnell in die Entwicklung und vergisst, den nutzerzentrierten Prozess weiterzuführen.

- Design-Führung: Die kohärente Entwicklung von Produkten in großen Unternehmen benötigt eine geeignete Steuerung und klare Design-Vorgaben, damit die Produkte letztendlich zur Marke und Identität des Unternehmens passen.

- UX nicht nur als Dienstleistung: Häufig werden UX-Aktivitäten von spezialisierten Abteilungen im Unternehmen oder gar externen Firmen durchgeführt. Hierbei bleibt meist das Nutzerverständnis im Unternehmen auf der Strecke.

- Mindset und Methodik: UX Design braucht ein neues Mindset, eine kompromisslose Fokussierung auf den Nutzer und dessen Bedürfnisse. Dieses Mindset – und die entsprechenden Praktiken und Methoden – müssen sich die Teams natürlich erst aneignen.

In unserem Vortrag wollen wir (ein UX Designer und ein Agile Coach) beschreiben, wie die oben genannten Herausforderungen beim großen Mobilitätsdienstleister Deutsche Bahn angegangen wurden, und wie man aktuell innerhalb einer Agilen Organisation der Bahn nutzerzentrierte Entwicklung etabliert. Dabei wollen wir erläutern, wie man z.B. Scrum und UX sinnvoll kombinieren kann, und wie man die Teams dabei unterstützen kann, eine nutzerzentriertes Mindset zu entwickeln.

Der Vortrag ist interessant für Entscheider, die sich über die Notwendigkeit von nutzerzentrierter Entwicklung und deren Umsetzung (bzw. Herausforderungen) in der Organisation informieren wollen. Alle, die dem Vortrag als Softwareentwickler, Tester, Designer etc. folgen, können sicher auch viele Ideen für die bessere Integration von UX-Arbeit und Softwareentwicklung im Team mitnehmen.

Christoph Jung

andrena objects ag

Christoph ist seit mehreren Jahren Agile Coach bei der andrena objects ag und berät Unternehmen dabei, Agilität richtig zu nutzen und ihre Organisation zu verändern.
Nach seinem Studium der Informationstechnik hat sich Christoph bei Fraunhofer sechs Jahre lang mit verschiedenen Forschungs-Disziplinen beschäftigt, u.a. Bildverarbeitung, Machine Learning, Intelligente adaptive Benutzerschnittstellen und war mehrere Jahre Projektleiter in einem User-Centred Design Forschungsprojekt.
In diesem Kontext hat er viel fachlich und technisch gearbeitet, also Software entwickelt, und auch als Projekt- und Konsortialleiter im internationalen Umfeld gearbeitet.
Danach ging es weiter in einem Start-up im Bereich Semantic Data Middleware, wo sich dann für ihn entschieden hat, dass nur ein konsequent agiles Vorgehen zielführend ist in einem unsicheren, dynamischen Umfeld.

Marvin Wilhelm

Deutsche Bahn AG

Marvin ist seit mehreren Jahren UX Designer im Bereich Reisendeninformation, einer agilen Organisation innerhalb der Deutschen Bahn AG.
Dort arbeitet er sowohl im Produktmanagement als auch direkt mit den Umsetzungs-Teams zusammen.
Seine Mission ist, neue Prozesse für Produktinnovation zu entwickeln und konsequent am Kunden auszurichten. Außerdem unterstützt er die Teams bei der Umsetzung von UX/UCD-Prinzipien und -Vorgehensweisen.