Sie brauchen doch gar keine Microservices (... oder?)

Conference Day - 21. Februar
 
10:00
10:45
 
Microservices und Cloud
 
Konferenzraum 1.801

Hype, Innovation oder State-of-the-Art? Den Begriff Microservice gibt es seit 2011 und er wird inflationär verwendet. Ob man den Schritt hin zu Microservice wagen soll oder nicht, ist eine Entscheidung, die man sehr bewusst und gezielt treffen sollte.

Wir geben in diesem Talk eine Entscheidungshilfe und nähern uns dem Thema aus den Blickwinkeln Fachlichkeit und Architektur. Und wir machen es uns einfach: Wir raten in diesem Talk vom Microservices-Einsatz kurzerhand ab.

Äh, wie bitte? Ja, richtig gelesen - wir raten vom Microservice-Einsatz ab, ...

..., wenn fachliche und organisatorische Komplexität nicht groß genug ist! Schon Martin Fowler rät: Don't even consider microservices unless you have a system that's too complex to manage as a monolith. Doch was meint Fowler eigentlich mit "complex"? Wann ist ein IT-Vorhaben nur kompliziert?

..., wenn das Team nicht oder wenig dynamisch / flexibel agieren muss! In welchen Größenordnungen ist das eigentlich der Fall? Muss man schon Netflix sein oder geht's eine Nummer kleiner?

..., wenn der fachliche Schnitt nicht klar ist! Reicht da schon Datenhoheit als Kriterium aus? Wieviel fachliche Strukturierung brauchen wir? Wie groß oder klein ist denn "Micro"? Wie vermeidet man ein Microservice-Spaghetti?

..., wenn man sich nicht (vorher) die architektonischen und fachlichen Laufzeit-Auswirkungen klar macht! Das in Microservices geschnittene "Verteilte System" erfordert z. B., mit deutlich erhöhten Latenzen umzugehen. Und es zwingt einen, sich mit Eventual Consistency zu beschäftigen und mit teilfertigen, fachlich nicht (immer) konsistenten Teilzuständen.

..., wenn die Frage nach Integration nicht geklärt ist! Der ESB ist aus guten Gründen verpönt. Aber irgendeine Integrationstechnologie brauchen wir doch? Insbesondere ist auch die Integration bei gemeinsamen Benutzeroberflächen zu klären: Was für Web-Oberflächen recht einfach ist, ist für native oder andere Clients schon gar nicht mehr so klar.

Microservices sind also ... vor allem nicht trivial. Sie betreffen verschiedenste fachliche, architektonische und organisatorische Aspekte. Wer da nicht alle Herausforderungen durchdenkt oder sich ihrer zumindest bewusst ist - nun, dem hatten wir ja auch abgeraten :-)

Martin Lehmann

Accso - Accelerated Solutions GmbH, Deutschland

Martin Lehmann ist Diplom-Informatiker und arbeitet als Cheftechnologe und Softwarearchitekt bei der Accso - Accelerated Solutions GmbH. Seit Ende der 90er-Jahre wirkt er als Softwareentwickler und -architekt in der Softwareentwicklung in diversen Projekten der Individualentwicklung für Kunden verschiedener Branchen. Seit den Zeiten von Java 1.0 beschäftigt er sich mit Java als Programmiersprache und als Ökosystem.

E-Mail: martin.lehmann@accso.de
Twitter: @mrtnlhmnn
XING: https://www.xing.com/profile/Martin_Lehmann3

Renato Vinga-Martins

Accso - Accelerated Solutions GmbH, Deutschland

Dr. Renato Vinga-Martins arbeitet bei der Accso – Accelerated Solutions GmbH mit technologischem Schwerpunkt als Architekt, Berater und Projektleiter in allen Phasen der Individualsoftware-Entwicklung. Er begleitet seit über 20 Jahren Kunden in ihren Projekten.